Kommentar zum Asfixia-Text

Asfixiaskizze, 1969/70
Asfixiaskizze, 1969/70

 

Geschichte nimmt erst Gestalt an, wenn man sie betrachtet, und um sie zu betrachten, muß man ausgeschlossen sein. Roland Barthes

Der Titel Asfixia wurde von mir als spanisches Umgangswort gewählt (das ebenso im klinischen Sinn – Asphyxie – einen realen Zustand der Atemnot oder auch des Erstickens bedeutet); die Entwicklung des die Handlung auslösenden Traums spielt sich bis zum Klimax außerdem in einer Gegend ab, die ich – beträchtliche Zeit später – als einen wirklich existierenden Wüstenort (Atacama) im nördlichsten Chile kennenlernen sollte: dort setzte ich mich mit dem Orpheus-Mythos auseinander, der als Stoff für ein künstlerisches Projekt dienen sollte – möglicherweise wiederum in unbewußter Analogie zum damals bereits gestalteten Text oder zur literarischen Umsetzung der Traumerfahrung.

Um eine stilistische Form der (verbalisierten) Übertragung zu finden, entschied ich mich rasch – nach einigen Versuchen des epischen Herausfilterns – für die mehr oder weniger nüchterne Art eines Protokolls in der entsprechend knappen und distanzierten Sprachfassung.

Ich wollte dem vornehmlich visuellen Charakter der komplizierten Traum-Sequenzen nicht entgegenwirken, indem ich plastisch wahrgenommene Metaphern und bewegte Handlungen in quasi-objektiverende Sprache, d.h. „Literatur“ übertrug, den Traum im Sinne eines „Konstruktionsprinzips“ benutzte. Deshalb versetzte ich das ästhetische Material bzw. den Inhalt in eine dramaturgisch ablaufende FILM-Version; durch die Übersetzung in ein optimal angenähertes Medium hoffte ich, den ephemer geträumten Prozess in etwa wiedergeben oder nachträglich protokollieren zu können – ihm am Ende sogar künstlerische „Gestalt“ zu verleihen (ich selbst gebe ja das Geschehen aus der Perspektive des erzählenden Beobachters wieder, agiere jedoch gleichzeitig innerhalb des Dramas in einer Protagonistenrolle).

Der Terminus FILM wird deshalb lediglich fiktiv oder als „Kunstgriff“ verwandt.

Von daher erklärt sich auch die notwendige Verbindung mit begleitenden (nicht interpretierenden oder illustrierenden) Bildern.

Eine mögliche Versachlichung erfährt das phantastische Geschehen überdies durch erhellende Anmerkungen zu im Text „dunkel“ erscheinenden Begriffen, die beim nachvollziehenden Leser aber mehr Fragen aufzuwerfen als Antworten zu geben imstande sind.

Heute – nach vorsichtiger Fertigstellung der gesamten Fassung – verstehe ich den erlebten Moment (1969/70) über die persönliche Betroffenheit hinaus als Ausdruck einer tief verankerten – geschichtlichen – Problematik, die sich – wie hier in der mythisch-verschlüsselten Dimension des Traumes – einen klärenden Weg „nach oben“ suchen wollte …

Das FILM-Protokoll wurde von mir in einen Prolog, vier Episoden und einen postmodernen Epilog gegliedert, ergänzt durch Anmerkungen / Fußnoten, Bildmaterial und einigen parallelen hinweisenden Texten.

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