Der Holzschnitt „Die Bücher Samuelis“

Im Jahre 1965 wurde H. J. Psotta innerhalb seiner Aktivitäten an der Architekturfakultät (PUC) in Santiago de Chile gebeten, eine großformatige Wand mit Motiven aus dem Alten Testament zu gestalten. Dazu wählte er eine narrative Version der beiden Bücher Samuelis. Zur definitiven Verwirklichung des Auftrags konnten die Bedingungen, die er stellte, jedoch nicht erfüllt werden – er nutzte daher die Möglichkeit, den bereits existierenden Entwurf in einen zehnfarbigen Holzschnitt im Handdruck-Verfahren in sehr limitierter Auflage umzusetzen (53 x 72 cm).

Die Bücher Samuelis

Indem er während des technischen Prozesses einige separate Arbeitsgänge in ihrem originalen Zwischenzustand beließ, konnte das Druckverfahren nachträglich als „handwerkliche“ Prozedur nachvollzogen werden (bitte aufs Bild klicken) – wie eine integrierte grafische Choreografie oder „Genese“ der endgültigen Gesamtkomposition, die auch die Entwicklung der einzelnen „Kapitel“ bzw. Episoden der biblischen Erzählung erkennbar macht. Diese semantische Methode, ein komplexes Thema aus dem rhythmischen Impuls zu erfahren und in Bilder zu übertragen, wurde von ihm sehr früh entwickelt und über einen langen Zeitraum – bis heute – beibehalten und perfektioniert – selbst bei scheinbar radikalen Brüchen der stilistischen Mittel …

Episoden der Darstellung / Syntax:
Der Hirte (Lamm) und Sänger (Harfe) / David (Stern) / Der listige Saul / Die drei Alten / Die badende Bathseba auf dem Dach / Die Wurzel Jesse / Hahn und Schwert / Der enthauptete Goliath / Der König Salomo / Der stürzende Flammenkrieger (Philisterkampf) / Davids Klage um den toten Jonathan / Der sterbende Vogel

10. Juli: Film und Gespräch

Innerhalb der Todesbilder-Tournee der Chaclacayo-Gruppe fanden im Mai 1990 – kurz nach dem Mauerfall – im Berliner Maxim-Gorki-Theater vielbeachtete Performance-Aufführungen statt, die integral aufgezeichnet wurden. Aus dem Zyklus Miserére zeigen wir einen gesamten Abend – H.J. Psotta, der Gründer und Leiter der Künstlergruppe, wird den Film vorstellen und kommentieren.

Freitag, 10. Juli 2009, 19.30 Uhr

studio im hochhaus – kunst- und literaturwerkstatt

Zingster Straße 25, 13051 Berlin (Hohenschönhausen)

Telefon / Fax: + 49(0)30 – 929 38 21

Eintritt: 4,- / erm.: 2,- €

S 75 bis Wartenberg oder Hohenschönhausen; Tram M4, M5 / Ahrenshooper Str.; M4, M17 / Prerower Platz (4 Minuten Fußweg) Kartenvorbestellungen: Mo – Do 11 bis 19 und Fr 11 bis 16 Uhr

Das Wandbild von Helmut J. Psotta in der Folkwangschule für Gestaltung, Essen (1957)

Während seiner Ausbildung als Glasmaler besuchte H.J. Psotta regelmäßig die Abendklasse der Folkwangschule für Gestaltung in Essen – später meinte er, in dieser eingeschränkten Zeit am meisten erfahren und gelernt zu haben. Er zeichnete (Akt), setzte sich mit Perspektive und Schrift auseinander, erlernte systematisch einige klassische Maltechniken und begann mit Bildgestaltung und Komposition zu experimentieren. Erst später wurde er in die Tagesklasse aufgenommen, interessierte sich dann jedoch mehr für theoretische Zusammenhänge (Kunstgeschichte und -wissenschaft, Literatur etc.); das menschlich-politische „Klima“ dieser Schule erfuhr er mit wachsendem Unbehagen, das folgerichtig zum frühzeitigen Abbruch des Studiums führen mußte – dieses Ereignis beschrieb er als eine „massive Zäsur innerhalb der überall herrschenden nachkriegsdeutschen Repressionsmentalität, die mein Leben mit Verspätung direkt betraf und einschneidende Konsequenzen für meine zukünftige Entwicklung hatte“.

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INRI – Erste Eindrücke / Primeras impresiones

Vor kurzem entstand in Berlin innerhalb weniger Monate der Zeichnungen-Zyklus INRI, in dem Helmut J. Psotta eine Kreuzigungsszene von Bartolomé Esteban Murillo (um 1668) bis in extremste Interpretationen variierte – diese Arbeit widmete er Pier Paolo Pasolini. Anschließend zeichnete er den zweiten Teil dieser Serie, welchen er nach dem Schlagertitel eines nationalsozialistischen Komponisten benannte: Vuelva pronto, chico (Junge, komm bald wieder). Im dritten Teil des INRI-Zyklus`setzt er sich mit realen Erfahrungen aus seiner Kindheit und frühen Jugend auseinander: El Camal (Der Schlachthof). Die Bildergruppen wuchsen bereits auf einige hundert Zeichnungen an.

Hier erste Eindrücke davon:

H.J. Psotta arbeitet am Berliner Zeichnungen-Zyklus INRI / Variationen über eine Kreuzigungsszene von Bartolomé Esteban Murillo, 2007/08 (etwa 500 Blätter). Fotos: Arndt Beck

H.J. Psotta arbeitet am ersten Teil des INRI-Zyklus`/ Variationen über eine Kreuzigungsszene von Bartolomé Esteban Murillo, 2007/08 (etwa 500 Blätter). Fotos: Arndt Beck


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14. November: H.J. Psotta liest aus ASFIXIA

Im Rahmen der Ausstellung HELDENGEDENKEN liest Helmut J. Psotta aus seinem unveröffentlichten Roman ASFIXIA.

Im Winter 1969/70 hatte Helmut J. Psotta einen äußerst klaren und symbolhaften Fiebertraum, eine Phantasie, die sich zwischen faschistischer Ästhetik und post-modernem Körperkult bewegt und damit thematisch nahtlos in die Ausstellung HELDENGEDENKEN einfügt.

Er protokollierte sofort nach dem Erwachen die „Handlung“. Knapp 30 Jahre später fand er die Protokolle wieder und erarbeitete auf dieser Grundlage einen Roman, der ebenso als Drehbuch konzipiert ist. Erstmals liest nun Helmut J. Psotta aus ASFIXIA – Der Orpheus-Traum.

Freitag, 14. November 2008, 19.30 Uhr

studio im hochhaus – kunst- und literaturwerkstatt

Zingster Straße 25, 13051 Berlin (Hohenschönhausen)

Telefon / Fax: + 49(0)30 – 929 38 21

Eintritt: 4,- / erm.: 2,- €

S 75 bis Wartenberg oder Hohenschönhausen; Tram M4, M5 / Ahrenshooper Str.; M4, M17 / Prerower Platz (4 Minuten Fußweg) Kartenvorbestellungen: Mo – Do 11 bis 19 und Fr 11 bis 16 Uhr

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