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Ein Traumtänzer im Niemandsland

[zum 5ten Todestag; Text bereits erschienen im Katalog zur Ausstellung _rosa paraphrasen, hier mit den Bildern vom Vortrag im FHXB-Museum]

von Arndt Beck

v.l.n.r.: Helmut, Mutter Rosa, Vater Julius, Schwester Helga, ca. 1940/41

Am 9. November 1937 wurde Helmut J. Psotta in Bottrop geboren. Aus sehr einfachen Verhältnissen stammend – sein Vater war Metzger – erlebte er im Nachkriegsdeutschland einen geradezu kometenhaften Aufstieg.

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H.J. Psotta: Über den schöpferischen Visualisierungs-Prozess als Erkenntnisprinzip

[Editorische Notiz: Der nachfolgende Text ist einem Faltblatt (hier als pdf) entnommen, welches zu einer Veranstaltungsreihe von H.J. Psotta 1975 an der Jan van Eyck Academie Maastricht erschien. Es kann als Einführung in seine 15-teilige (weitestgehend unveröffentlichte) Diavortragsreihe verstanden werden, die eine Fortsetzung seiner 1971 veröffentlichten Gestaltungslehre De vraag van het begin ist.]

Faltblatt, Überschrift

In einem ausführlichen Grundsatz-Referat möchte ich einige elementare Wahrnehmungsprobleme aus dem Bereich der gestalterischen Ausdrucksmittel (Visuelle Medien) generell auszulegen versuchen, die ich als gesonderte syntaktische Basis-Elemente der künstlerischen Bild-Sprache verstehe.

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H.J. Psotta: Über die schöpferische Vorstellung

[Editorische Notiz: ca. 1970-76, zum Teil benutzt in De vraag van het begin, S.94f.]

(Auszug)

»Den Grad des rhythmischen Schwunges eines Menschen lesen wir ab an seinen Ausdrucksbewegungen, die sowohl Klang, Tonfall und die Lautfolgen seiner Stimme als auch seine Gebärden, also alle Bewegungen seines Leibes, umfassen. An der Rhythmik, also an der Art, an dem Grade der rhythmischen Äußerungen und Bewegungen eines Menschen, können wir ablesen seine Lebenskraft, den Grad der Geschlossenheit seiner Person, die Art seiner Einfügung in die Umwelt, den Zustand seiner Seele. Je rhythmischer seine Bewegungen sind, um so mehr befinden sich seine Triebe und sein Empfinden, sein Geist und sein Wollen im Gleichgewicht. Das einseitige Übergewicht irgendwelcher dieser Kräfte stört den Rhythmus. Er wird gestört ebensowohl durch jede Art von Nervosität wie durch ein Übergewicht des berechnenden Verstandes. Je nervöser oder je einseitiger intellektuell eine Person ist, um so stockender, arhythmischer sind ihre Lebensäußerungen. Auch Menschen mäßiger Verstandesbegabung können, wenn keine Nervenstörungen vorliegen, sich rhythmisch verhalten. Doch sind die rhythmischen Lebensäußerungen der Menschen unterschiedlich, da sowohl die unteren Regionen des Körperlichen wie auch Regungen der Phantasie und des feineren Gefühlslebens auf das Wesen des Rhythmus einwirken. Immer aber ist der Rhythmus Ausdruck der Ganzheit des Menschen.«1

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  1. Max Burchartz, Gleichnis der Harmonie, München 1955 (1949), S. 154 (Hervorhebungen Helmut J. Psotta)

Sternförmige Ausstellungsroute in Heilig Kreuz in Bottrop

Bottrop. Kulturkirche Heilig Kreuz zeigt ab Samstag erste große Ausstellung mit frühen Werken des Bottroper Künstlers Helmut J. Psotta in dessen Heimatstadt.

Von Dirk Aschendorf

[erschienen in WAZ Bottrop, 13. März 2015 (pdf)]

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Das Wandbild von Helmut J. Psotta in der Folkwangschule für Gestaltung, Essen (1957)

Während seiner Ausbildung als Glasmaler besuchte H.J. Psotta regelmäßig die Abendklasse der Folkwangschule für Gestaltung in Essen – später meinte er, in dieser eingeschränkten Zeit am meisten erfahren und gelernt zu haben. Er zeichnete (Akt), setzte sich mit Perspektive und Schrift auseinander, erlernte systematisch einige klassische Maltechniken und begann mit Bildgestaltung und Komposition zu experimentieren. Erst später wurde er in die Tagesklasse aufgenommen, interessierte sich dann jedoch mehr für theoretische Zusammenhänge (Kunstgeschichte und -wissenschaft, Literatur etc.); das menschlich-politische „Klima“ dieser Schule erfuhr er mit wachsendem Unbehagen, das folgerichtig zum frühzeitigen Abbruch des Studiums führen mußte – dieses Ereignis beschrieb er als eine „massive Zäsur innerhalb der überall herrschenden nachkriegsdeutschen Repressionsmentalität, die mein Leben mit Verspätung direkt betraf und einschneidende Konsequenzen für meine zukünftige Entwicklung hatte“.

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